Mittwoch, 15. August 2012

mary go round

Die Sonne schien heiß vom Himmel und, weil sie keine Wahl hatte, auf nix neues - oder doch? Jedenfalls hatte ich beschlossen mich aufgrund von Empfehlungen mal vorsichtig aus dem Bunker - und Facebook - zu wagen, in dem ich mein Büro betrieb und mir die Ausstellung "Maryland" von Maria Gerdwilker  in der Galerie FB 69 anzuschauen.

Also schwang ich mich auf mein vollgefedertes Poser Moutainbike und radelte mit einer Fluppe im Mundwinkel Richtung Ausstellung.

Ok, hier ein paar Gedankenfragmente dazu. Erfreulicherweise handelte bei der Ausstellung nicht um jeffkoonsartige Hochglanzplastikkunst, sondern einer im Sinne des romatinschen Ironiebegriffes den eigenen Produktionprozess offenlegenden Kunst. Durch die ausdrückliche Zurschaustellung der eigenen nicht perfekten Handwerklichkeit, in Form von Handarbeit, Bricollage oder eben nichtindustrieller Fertigung, wird das eigene Gemachtsein der Objekte zum Inhalt und nähert sich damit einem Thema an, dass zu Zeit - auch angestossen durch das Web 2.0 - in aller Munde ist: DIY - oder um mal die Akronymwut ein wenig einzudämmen: Do It Yourself. Damit landen wir dann auch blitzschnell bei einer "Ästhetik der (vermeitlichen) Authenzität" die sich eben dadurch hervortut, dass sie auch mal nicht perfekt nach Stereotyp oder vorgefertigter Gussform funktioniert.Gerade in den vermeitlichen  Mängeln zeigt sich die grosse Stärke dieser Art von Arbeit, das Selbermachen. Das einfach Machen, egal ob es hinterher einer Deutschen Industrie Norm der Kunst genügt oder nicht. In einer Gesellschaft wie der unseren, in der alles immer glänzender, die Fotos immer als Leuchtkasten oder Aludibond daher kommen, immer magersüchtigere Modells immer barbiemäßiger von Plakten lächeln, CGI perfekte Illusionen von Welten in Filmen entsethen läßt, scheint dies unsere Sehnsucht nach dem Ursprünglichen zu befriedigen. Weg von virtuellen Weiten des durchwebdisgnten Internets hin zum unperfekten Individuum, mit allen Fehlern und Schwächen die dazugehören.

 Hier könnte man sich nun die Frage stellen, ob man das nicht im Zuge von Ganzschlaukonstrukten wie den Genderstudies oder Postfeminismus als weibliches Emanzipationspotenial begreifen kann, da ja gemeinhin(schon naturbedingt) das Eier-in-der-Hose-haben, das heißt zu der eigenen Endlichkeit und Begrenztheit stehen, als genuin männliche Eigenschaft gelesen wird.

Aber hier lassen wir gerne mal eine Leerstelle zum selber reindenken.

Was mich an den Arbeiten von Gerdwilker beschäftigt, ist diese "Ästhetik der Authenzität" der sich zum allergrößten Teil sowohl in den räumlichen Objekten (die oft mit Fundmaterialien arbeiten), wie in den wahrlich nicht altmeisterlich gemalten Bildern finden läßt oder wenn die Teile einer Skulptur auch mal einfach per Schraubzwinge zusammengehalten werden.

Verstärkt wird diese Tendenz noch durch persönliche Bennenungen der Arbeiten, die sich dadurch auch noch einer psychologiesierenden Lesart quasi an den Hals werfen, denn wem würden bei einem Portrait der Künstlerin  als Achterbahn nicht sofort einige  wilde Assoziationen durch dem Kopf gehen? Schließlich sind wir ja alle geschult in der Kunst des Hobbypsychonalytikers, den wir von den Supermarktkassen her gut kennen, von daher überlassen wir jetzt mal jedem an dieser Stelle seine eigenen Versuche in der Traumdeutung. Interessanter ist eben auch die Herstellung einer quasi authentisch-persönlichen Ebene, einer "Authentizität zweiten Grades" die unsere Sehnsucht spiegelt raus zu kommen aus dieser rationalen, kalten, leeren Welt in der wir, in der eigenen Anhedonie gefangenen, uns nach etwas wie Empathie sehnen.

Daher scheint die Sonne zwar auf nix neues, aber es lohnt sich trotzdem, sich damit zu beschäftigen.

PS: Wir verzeihen hier an dieser Stelle mal, dass die Spaxscharuben nicht 3 cm rausschauen, wie bei Sebastian Walther, der ist halt doch nen Typ und nicht zu vergessen im Zuge des universellen Dilettantismus: auch, dass sie akademisch verdorben ist. ;-)

Maria Gerdwilker - Marland noch bis zum 25.08. in der Galerie FB69 Münster.


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