Donnerstag, 28. Juni 2012

we are so international oder viel blabla um nix

am rande und vorab dieses kurzen eintrages sei vermerkt, wie unbeschreiblich unterhaltend doch immer dieses, von ewiger wiederkehr bestimmtes, ritual ist: bei münsteraner eröffnungen versichert man sich stets, wie international und contemporary man doch sei. immerhin habe dieser künstler ja schon an einer kunstausstellung in kassel teilgenommen(dazu später noch ne anmerkung in sachen zu gewolltes understatement). abgesehn davon, dass das nun auch schon ein paar jährchen her ist, erscheint dieses beharren der provinz auf dem globalen oder internationalen  zu allererst als dessen gegenteil: nämlich zutiefst proviniell. aber immerhin zumindest ist der titel der ausstellung ja very international in english:
"The peacock with his long train appears more like a dandy than a warrior, but he sometimes engages in fierce contests"

und wenn man dann nach dem vielen blabla, sofern man nicht draussen war um sich ne kippe anzuzünden, dazu kommt sich die kunst anzuschauen, bleibt der gedanke nicht aus: oh gott, bitte nicht schon wieder wahrnehmung.
es ist ungeheuer spannend zu erfahren, dass die schrille farbe des pfauengefieders nicht in dieses eingeschrieben ist, sondern nur aufgrund einer lichbrechung entsteht. toll. sicher, die scharz weißen vorhänge in "70 er jahre psychodelisch pfauenoptik" sind unwahrscheinlich deko, wenn man auf sowas steht. ebenso wie die bunten irisdruckbüchlein, die man sogar anfassen darf, allerdings nur mit weißen handschuhen(ironie?). diese sind allerdings fade gegen nen netten alten u-comic aus der zeit, der auch wesentlich mehr erkenntnispotential in sachen wahrnehmung und realität bieten. zumal man die auch ohne handschuhe mit zum lesen aufs klo nehmen darf.

sehr schick, diese 60/70er gegenkultur  verweise, aber ein wenig inhaltsleer und widerstandsleer, dazu passen dann auch 70 minuten film ohne bild - nur mit ton und untertiteln. 70 minuten soll der film in unserem kopfkino ablaufen. ok, machen wir, - wir sind ja sehr leidensfähig in sachen erkenntnisgewinn und ästhetisches vergnügen - aber stellt uns doch bitte ne schale mit supermännern, mickey mäusen oder zumindest genug gras auf, sonst wird das nämlich etwas fad und unser schnarchen nervt die anderen besucher. der künstler hat sich sicher was tolles dabei überlegt, gebongt. aber ganz ehrlich: da schau ich mir lieber die avengers an, da lern ich mehr bei, auch wenn das eventuell nicht so sophisticated ist.

bunte psychedelische gegenkultur verkommt zur intellektuellen tine wittler deko. very international. and so fucking  contemporary..... ich geh derweil lieber auf der toilette die fabelhaften freakbrothers lesen.

achja, als soundtrack auffem iphone beim besuch der ausstellung empfehle ich: woog riots - art museum.

und noch ne kleine leseempfehlung zum thema wahrnehmung: ernst von glasersfeld - "konstruktion der wirklichkeit und des begriffes der realität" zu finden in" kursbuch medienkultur" 1999 dva stuttgart

Olaf Nicolai: The peacock with his long train appears more like a dandy than a warrior, but he sometimes engages in fierce contests
Kunsthalle Münster
mehr: http://www.muenster.de/stadt/kunsthalle/

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