Donnerstag, 24. Januar 2013

Das Radikal Autonome Subjekt: Philip Marlowe als Role Model

Es scheint mir momentan einen Trend in unserer Kultur zu geben, den ich kurz als "Ich fühle mich diskrimiert, beleidigt und belästigt." beschreiben möchte. Aber genau damit hat das menschliche Zusammenleben immer zu tun, mit ungefragten, vorher nicht genehmigten Übergriffen auf den Anderen. Und das ist gut so.
Nur der Deutlichkeit halber: Es geht mir hier nicht um körperliche Übergriffe, es geht einzig und allein um Angriffe auf allzufest betonierte Gedankenbunker. Warum diese nötig sind, interessiert mich an dieser Stelle auch nicht weiter. Der Punkt auf den ich hinaus will, ist warum ist es für uns so schwer dabei locker zu bleiben?


Wir kennen wahrscheinlich alle den zynischen Privatdetektiv Philip Marlowe, seinen Kollegen Sam Spade, Rick, den Betreiber eines amerikanischen Cafes in Casablanca oder eben auch Joe, der für eine Handvoll Dollar nahezu alles zu tun scheint. Die Gemeinsamkeit all dieser Typen und warum - zumindest ich- wir sie lieben, ist doch, dass sie sich nicht von Außen bestimmen lassen. Die auch mal was aushalten können. Sie sind im Grunde das, was Zizek in Anlehnung an Kant ein Radikal Autonomes Subjekt nennt, jemand der nur seinen eigenen Wertekanon entsprechend handelt. Von außen mögen diese Typen , mal mehr oder weniger, moralisch verkommen aussehen, doch wenn wir genauer hinschauen, sehen wir das sie zutiefst moralisch handeln. Nicht im Sinne einer Spießbürgermoral, aber im Sinne eines Souveräns, der die Freiheit und Unabhängigleit besitzt, selbst zu urteilen und sich aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit befreit hat. Dieser Typ geht seinen Weg ohne sich von herkömmlichen Mustern und Moralvorstellungen leiten zu lassen. Und diesen Weg der Originalität, des Singulären sollten wir auch in Anlehnung an eine "Ästhetik des Selbst" für uns selber anstreben: Kein Leben nach Plan und Schema, kein veganes Zombiedasein, sondern versuchen lebendig, dynamisch und wach zu sein.
Das heißt aber nicht, ein monadenhaftig gegen Aussen abgechlossenes Leben zu führen, sondern sich ständig mit der Welt auseinander zu setzen ohne sich komplett von dieser assimilieren zu lassen. Ein kritisches Bewußtsein zu entwickeln und sich der großen Gleichschaltungmaschine zu verweigern. Denn, und das ist worauf es am Ende ankommt: Nur freie Menschen begegnen sich auf Augenhöhe. Wer frei ist, gesteht diese Freiheit auch anderen zu.

Ja, ich weiß: Das sind alles weiße eropäische Männer. Kann man aber gerne auch auf andere Schablonen übertragen.

Und nun, liebes Lektorat.....

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