Freitag, 23. November 2012

Das Schöne, Gute und die Ware

Collage
Es gab eine Zeit, da waren die Leute - auch solche die sich irgendwie als Künstler begriffen - angepißt davon, wie es abging in der Welt. So schön war die Zeit. Heute sind die meisten Menschen und besonders die Künstler an einem interessiert: Strategisches Karrieredenken. Keiner spricht es offen aus, aber im Grunde geht es nur darum auf dem Markt, und auch der Museumssektor ist ein Markt, erfolgreich zu sein. Vorbei die Zeit als man gegen die ganze Verblödungsmaschinerie revoltierte, vor allem gegen die Kunst. Egal ob man in Zürich oder Berlin simultan Gedichte aufsagte oder in Paris "Unter dem Pflaster liegt der Strand" an die Wände schrieb, man war nicht bereit, die primäre Aufgabe der Kunst, das Verdecken und Überblenden der Situation durch vermeitlich Schönes, Wahres und Gutes zu erfüllen. Stattdessen lief man Amok, verkündete z.B. bei der Messe in Notre Dame, dass Gott tot sei.

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Die Menschen aus ihrer Apathie zu reißen, damit sie endlich in der Lage sind, die Dinge zu sehen, wie sie sind: Das Scheitern der Aufklärung und den Weg des wohlgesinnten Bildungsbürger zu den Schlachthäusern von Verdun, Ausschwitz oder Afghanistan. Der Mensch einzig Humankaiptal in einer Bilanz globaler Finanzhäuser. Und die Kunst, das nette Deckmäntelchen dieser Ideologie, breitet durch scheinbare Transzendierung darüber eine Tarnkappe aus, die die zugrundeliegende Ideologie unsichtbar werden läßt. Und die meisten lassen sich wunderbar eingliedern in diese Matrix: "Wir sind der Kunstbetrieb und sie werden assimiliert." Solange der Euro rollt, der Kunstverein oder das Museum winkt, ist doch alles super. Und Revolution ist eh voll Retro, es gibt ja keine Alternative zum Kunstmarkt und zum Kapitalismus sowieso nicht.

Also brav alles hinnehmen, vor allem auch die immer stärker zunehmenden Juristerei in der Kunst. Wer heute Künstler werden will, sollte nicht Kunst studieren, sondern BWL und, oder vor allem Jura, allein schon wegen des Marken-und Urheberrechtes. Wer will schon von McDreck, Apple oder Hollywood aufgrund von Urheberrechtsverletzungen angeklagt werden? Das perfekte Herrschaftsinstrument. Dabei ist die widerrechtliche Aneignung von fremdem geistigen Eigentum eine sehr nette Art das Ganze da zu treffen, wo es wehtut: bei der Knete. In diesem Sinne sind die Produktpiraten, Kunstfälscher und Filesharer vielleicht heute die wirklichen Dadaisten. Und nicht irgendwelche Schöngeister, die in kleinen Offspaces museale Stücke wie die Ursonate von Schwitters aufführen.
Amen!

Und bitte: lektorieren.

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