Montag, 9. Juli 2012

Do The No-Future Shock

Wir hörten neulich auf der neuen Scheibe der "Woog Riots" den Song "Alvin Toffler", der mit der grandiosen Zeile beginnt: "I saw a film with Orson Wells based on a book called Future Shock there’s too much change
in too short time where do we go?". Neugierig wie wir (als teilautomes Subjekt) sind, beschlossen wir das popkuturelle Archiv zu befragen und fanden uns nun glotzend vor dem entsprechenden Film wieder.( LINK)

Grandios, so sei zunächst mal angemerkt, ist die Besetzung Orson Wells als Erzähler. Dann kommt der Film auf sein Thema zu sprechen, den Onformationsüberfluus und die flüchtigkeit der Welt. Einiges, was hier eventuell ein wenig historisch angestaubt wirkt, aber weiter gedacht in das Zeitalter von ADHS und Facebook, durchaus mal den einen oder anderen Gedanken wert ist, wenn man es denn zwischen den ganzen, unendlichen Spaß verbreitenden Statusupdates schafft, sich darauf zu konzentrieren.

Gewiss, Kulturpessimismus ist sonne Sache - erstmal ziemlich Schick, besonders im schwarzen Rolli mit nem Glas Malt inner Hand im fetten Corbusier Ledersessel vorgetragen, aber haben wir nicht im Zuge der unserer antitheoreischen Theorie Lektüre,  unter anderem bei Deleuze und Guattari gelernt, dass gerade zum Beispiel das im Film als Problem dargestellte Nomadische, der Körper und des Wissens, eher als positiv zu begreifen? Im Film wird es dagegen als negativ begriffen. Sicher, die Bindungslosigkeit gegenüber sozialen Einheiten, ist nicht wünschenwert. Führt sie doch schnell zur Beliebgkeit unserer Beziehungen, besonders im Zeichen der 5000 Freunde bei Facebook, eine nicht zu unterschätzende Thematik. Aber kann die konservative Rückkehr zu Familie als Keimzelle der Gesellschaft darauf die Antwort sein? Was ist mit den Wahlverwandschaften des Geistes im Zeitlater der rhizomatigen Schwarmgesellschaft? Was ist, wenn meine Heimat eher bei ein paar Nerds im Netz zu finden ist, als bei diesem blasierten alten Sack, der mich mit seinen Bemerkungen zu Wein und Golf nur auf nervige Art langweilt? Wir würden fast dazu neigen, hier das Wort anödet zu benutzen.
Der Film scheint uns auf  unbewußte Art Gründungsmanifest der Retromania und Manufactum-Bewegung zu sein, wobei uns zu dieser immer gerne die treffende Anmerkung von Wolfgang Ullrich in "Habenwollen" in den Kopf schießt: Der Manufactum Kunde kauft beim Toaster den Erlebnistoaster von(fiktiv) 200 Euro, der in seiner ganzen Ästhetik (natürlich unaufdringlich) schreit: Kauf mich und zelebriere mit mir den Akt des Toastens bewußt. Mache das Toasten zum Event(Spektakel - Gruss an Guy). Nimm bloss nicht den koranischen Billigtoaster, der einen besseren Funktionsumfang für 20 Euro bietet, aber bei dem das Toasten zur Nebensache verkommt.

Schön und Interessant fanden wir auch die Szenen, die sich mit den Fragen der Genetik, hybrider Menschlichkeit(Cyborgs) usw  beschäftigen. Hier sieht man die wechselseitigen Verbindungen des zugrundeliegenden Buches von Alvin Toffler mit Pop: Spontan fallen mir da Blade Runner(Oder als Buch - "Träumen Androiden von elektirschen Schafen" von Philip K. Dick ein), Der Schläfer, Louie taut auf oder auch zur Kognitionswissenschaft und aktuellen Bewußtseinphilosophie wie sie unter anderen Thomas Metzinger betreibt.

Alles in allem ein lohnenswerter Film, den man sich bei Youtube durchaus mal geben kann, auch wenn man nicht alles unterschreiben muss, selbst wenn Campact dazu auffordern sollte. Wie die Woog Riots am Ende des Songs richtig singen: "“information overload” that’s not radical enough
but who want’s to live like an apeman ohohohoh" und deshalb klinken wir uns in den TV on the Radio Video ein und rufen tanzender Weise: "Do the No-Future Shock".

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